Die Zukunft Deutschlands ist die Zukunft der Welt

Thomas Carlyle


Mittwoch, 4. Dezember 2013

Sexismusdebatte: Auch dieser Unfug kommt aus Amerika

Geschrieben von: Konrad Hausener
 
Die sozialen Entwicklungen Nordamerikas unter Beobachtung zu halten, erlaubt, die Zukunft Europas vorherzusehen. So geschah es mit den Propaganda-Feldzügen Homosexueller, genannt „Pride-Parade“, mit „politischer Korrektheit“ – und nun mit sogenanntem „Sexismus“. Wobei sogleich erwähnt sei, dass Geschmacklosigkeiten auch hierzulande schon immer verpönt waren. Doch die nun angezettelte Diskussion zeigt in eine andere Richtung: Sie trägt dazu bei, dass niemand mehr so richtig wissen soll, was er noch sagen darf und was nicht.

Ich möchte gleich einmal vorwegnehmen, dass es für Respektlosigkeiten niemals eine Entschuldigung geben kann. Dabei spielt es nicht die geringste Rolle, gegen wen sich diese richten. Zweifellos ist jeder hin und wieder mit Menschen konfrontiert, deren Auftreten nicht gerade zu respektvollem Verhalten einlädt, doch in solchen Fällen wäre das Wahren von Distanz wohl das Naheliegendste.
woman sexy smilingWas die Beobachtung betrifft, dass gesellschaftliche Veränderungen zu einem großen Teil in Amerika wurzeln, so lässt sich dies mit zweierlei Maß messen. Wir können theoretisch davon ausgehen, dass gerade in der „Neuen Welt“ als erstes erkannt wird, was bis dato in unserer Zivilisation falsch gelaufen ist. Dazu gehört gewiss auch das neue Bewusstsein der Frauen, dass es das Glücksempfinden hebt, die eigenen Kinder in Betreuungsstätten abzuliefern, um die Karriere in der Fabrik oder an der Supermarktkasse nicht aufs Spiel zu setzen. Dass Tiefkühlgerichte, in der Mikrowelle gewärmt, die eigenen Kochkenntnisse übertreffen. Dass, sobald der Ehemann nicht wunschgemäß „funktioniert“, lautstark nach einer Scheidung gerufen wird. Und natürlich auch, um auf ernstere Themen zu sprechen zu kommen, dass Urlaub Zeitverschwendung ist, dass es Pillen gibt, die auch erlauben, krank zur Arbeit zu gehen und nicht zuletzt auch, dass sich alles auf Kredit kaufen lässt. (Falls es nicht bekannt ist, in den den USA und auch in Kanada gibt es im Durchschnitt etwa zehn bezahlte Urlaubstage pro Jahr; und im Falle von Krankenstand wird die Lohnzahlung eingestellt. Erst Monate später wird etwa die Hälfte des entgangenen Lohnes durch die Arbeitslosenversicherung vergütet.)
Es gibt aber auch Menschen, und ihre Zahl ist deutlich größer als die von den Medien erschaffene Phantasiewelt glauben macht, die mit den alten Gepflogenheiten in Europa gar nicht so unzufrieden waren. Diese Menschen treten den neuen Entwicklungen mit gewisser Besorgnis entgegen. Sie wundern sich, warum intaktes Familienleben plötzlich aus der Mode ist, warum es immer anstößiger wird, zu vielen Themen bloß seine Meinung zu äußern. Warum Selbstbedienung immer mehr zum Standard wird …
Dazu eine kleine Anekdote: Wer in Ungarn zu Zeiten des Kommunismus mit harter Westwährung bezahlte, genoss gute Qualität und besten Service. Anders für Reisende aus dem Osten. Diese durften Schlange stehen, um ihr bescheidenes Mahl in Empfang zu nehmen. Doch heute, die Hamburger-Kultur betrachtend, ist es endlich Allen klar: Beim Anstellen um Speisen minderer Qualität handelt es sich um den „American Way of Life“.
Einige Jahre, bevor der Begriff der “politischen Korrektheit” in Deutschland bekanntwurde, sorgten sich die Amerikaner diesbezüglich schon um ihren guten Ruf. Wie kam es dazu? Wurden Hunderte Millionen von Menschen plötzlich von der Einsicht heimgesucht, dass es sich bei „Neger“ nicht um einen in der lateinischen Sprache wurzelnden Begriff für Menschen schwarzer Hautfarbe handelt, sondern um eine rassistische Äußerung? Dass Kommentare zu weiblichen Formen, die der Mode entsprechend besonders einsehbar sind, bei den Betroffenen zu einem seelischen Trauma führen können? Dass die Verwendung christlicher Symbole von Nicht-Christen als Beleidigung verstanden werden könnte, während Minaretten und Muezzins gefälligst Toleranz entgegenzubringen ist? Dass sich nicht Männer, die in Frauenkleidern umherlaufen, selbst zum Gespött machen, sondern diejenigen, die darüber eine Bemerkung verlieren?
Sollte es sich bei der Verbreitung der neuen Denkweise um eine plötzlich Erleuchtung der Menschen gehandelt haben, so haben die Medien jedenfalls sehr rasch darauf reagiert. Ein Wikipedia-Eintrag informiert, wie oft der Begriff „politisch korrektin einer repräsentativen Auswahl von US-Medien in einzelnen Jahren entdeckt wurde:
  • 1989: 15 Fundstellen
  • 1990: 65
  • 1991: 1570
  • 1992: 2835
  • 1993: 4914
  • 1994: 6985
Natürlich, davon auszugehen, dass die öffentliche Meinung von den Medien beeinflusst wird, dabei handelt es sich um eine dieser lächerlichen Verschwörungstheorien. Wer sollte denn die Berichterstattung kontrollieren? Wären Journalisten gezwungen, sich an Vorgaben zu halten, dann wüsste man dies doch. So ein Skandal ließe sich nicht verheimlichen. In der Demokratie passiert ja alles immer so, wie es die Leute wollen.
Und wenige Jahre später wollten es halt auch die Deutschen und die anderen Europäer, dass endlich alles politisch korrekt vonstattengeht.
Dass „politische Korrektheit“ auch Unmengen von Widersprüchen mit sich bringt, unterliegt natürlich keiner öffentlichen Diskussion. Wenn Männer Männer heiraten und Kinder wollen, ans „Selbermachen“ selbstverständlich nicht zu denken ist, dann wollen sie das Recht auf Adoption. Dass auch bei Adoptionsanträgen traditioneller Ehepaare darauf geachtet wird, dass die Voraussetzungen für ein physisch und psychisch gesundes Heranwachsen gegeben sind, spielt hierbei keine Rolle. Und kein Psychologe, der Wert auf seine berufliche Karriere legt, wird es wagen, auf mögliche Auswirkungen auf die Psyche eines Kindes zu verweisen, wenn die naturgegebene Konstellation im nächsten Umfeld plötzlich nicht mehr gegeben ist.
Wenn der Anteil von Schwarzen in US-Gefängnissen dreimal höher liegt als in der Bevölkerung, dann liegt dies natürlich an den ungerechten Urteilen durch überwiegend weiße Richter. Sogar das Hinterfragen, warum Menschen afrikanischer Ahnenschaft in manchen Sportarten erfolgreicher sind, darf natürlich nicht in Rassismus ausarten. Sie trainieren halt härter, weil ihnen ja sonst alle Karrieremöglichkeiten, aufgrund noch immer vorhandener Vorurteile, eingeengt sind. (Auf von Natur her ausgeprägtere Veranlagungen einzelner Menschengruppen, vormals politisch unkorrekterweise „Rassen“ genannt, zu verweisen, widerspricht dem modernen Denken.)
Nachdem es in allen Bereichen also immer deutlicher wird, dass es keinen Unterschied zwischen einzelnen Menschen gibt, weil es ihn einfach nicht geben darf, so findet sich ein solcher zwischen Mann und Frau ausschließlich in den Geschlechtsorganen. Verhaltensmuster sind nicht naturgegeben, sondern anerzogen. Über Jahrtausende hinweg haben Männer gelernt, hinter Frauen herzujagen. Und endlich ist es an der Zeit, dieser rein kulturellen Fehlentwicklung, die sich quer über den Erdball erstreckt, ein Ende zu setzen. Wenn Männer und Frauen dieselben Rechte haben, dann darf die Frau auch darauf bestehen, dass sie es ist, die den Antrag macht; dass sie es ist, die die Konversation durch ein Kompliment einleitet; dass sie es ist, die ein Wiedersehen vorschlägt.
Es gibt wohl niemanden mehr, der auch nur gelegentlich eine Zeitung liest, der nicht über Brüderles „unverschämte Äußerungen“ an der Hotelbar bescheid weiß. Tag für Tag erinnern Dutzende von Artikeln daran. Und noch immer will sich dieser Kerl nicht entschuldigen. Entschuldigen? Wofür eigentlich?
Es ist gar nicht so einfach, herauszufinden, in welcher Form er der Dame vom Stern nahegetreten sein soll. Dass ihre Brüste auch ein Dirndl ausfüllen würden, soll er bemerkt haben. Aha. Wenn er diese Aussage nun zurücknimmt, wie sollte das klingen? Etwa so: „Die beiden Dinger da würden doch nicht einmal ein Dirndl ausfüllen!“?
Doch wenn ein Thema so aufgeblasen wird, dann geht es natürlich weder um den Small Talk Brüderles noch um seine Position in der FDP. Es geht um einen neuen Punkt der Umerziehung. Weg von traditionellem Denken. Weg von allen natürlichen Tendenzen. Wer nicht mehr weiß, was er sagen darf, sagt am Ende gar nichts mehr.
Die Diskussion wird von den Medien angeheizt. Die Meinungen sind schon lange geprägt. Was von all den verschiedenen Kommentaren ins vorgefasste Bild passt, wird als Bestätigung verstanden. Was widerspricht, wird – in beiden Richtungen – zurückgewiesen.
Durchaus interessant ist in diesem Zusammenhang ein Artikel von Ilka Peemöller. Aus gutem Grund macht sie sich über stumpfsinnige Anmachversuche, wie „hey Praline, brauchst du eine Füllung“, lustig.
Ja, sie macht sich lustig, sie klagt nicht über Seelenschmerz.
Doch scheibt sie auch, dass sie 35 Jahre alt und gerne Frau ist. Sie schreibt: „ Aber wo führt es hin, wenn bei einem harmlosen Gespräch bereits von Sex-Skandal die Rede ist? Wenn eine lapidare Dirndl-Dekolleté-Anspielung in einer enttabuisierten Zeit von Dschungelcamp und Internet zu einem Geschlechter-Armageddon führt?“ Und weiter: „Ein Flirt steht doch immer am Anfang, wie sollte es denn sonst zwischen einem Mann und einer Frau losgehen? Das ist doch das Spannende, das Spiel, was den Kick ausmacht und so aufregend ist. Wo kämen wir da hin, wenn Männer und Frauen sich nicht mehr trauen?
Ist nicht wirklich jede Frau mit Annäherungsversuchen verschiedenster Ebenen vertraut? Weiß nicht jede Frau damit ebenso umzugehen, wie jeder Mann im Laufe der Jahre zu verstehen lernt, welche Art von Bemerkungen mehr und welche weniger willkommen sind? In jeder lockeren Unterhaltung werden oft genug Grenzen überschritten. Ein angetrunkener Freund äußert eine zweifelsfrei provokante Bemerkung. Wir entscheiden, wie wir reagieren. Kündigen wir ihm die Freundschaft? Werden wir handgreiflich? Reagieren wir bloß mit einem strafenden Blick oder wenden wir uns vorübergehend vom ihm ab?
Wenn ein Mann entweder das Auftreten oder die Kleidung oder was auch immer von einer Frau missversteht, sich zu einer „Anzüglichkeit“ hinreißen lässt, weiß nicht letztendlich jede Frau sofort, wie sie die notwendige Barriere herstellt? Warum soll es plötzlich notwendig sein, „politisch korrekte“ Richtlinien zu setzen, insbesondere im Bereich tatsächlich möglicher Annäherung. Die Voraussetzungen dafür könnten ja jederzeit gegeben sein: unter Freunden, unter Kollegen oder beim Gespräch zwischen Prominenten und Journalisten. Und immer beginnt alles erst einmal mit ein paar Worten.
Der alternde Herr mag das freundliche Entgegenkommen – sozusagen als letzter Hoffnungsschimmer – vielleicht tatsächlich für eine Einladung halten. Reicht hier nicht ein Kopfschütteln oder ein ernster Blick, um die Situation richtigzustellen? Warum soll es notwendig sein, immer gleich mit großen Geschützen aufzufahren?
In Nordamerika sind die Richtlinien seit Jahren etabliert. Jede Bemerkung, die sich auf Weiblichkeit bezieht, kann Konsequenzen nach sich ziehen. In Montreal erlaubte sich vor einigen Jahren ein 60-jähriger Hochschullehrer im Rollstuhl während einer Vorlesung die Bemerkung, dass ihm Frauen mit großen Brüsten immer besser gefallen hätten. Natürlich hat sein persönlicher Geschmack nichts mit seiner Lehrtätigkeit zu tun. Doch zwei Studentinnen brachten Beschwerde ein und der Mann wurde tatsächlich suspendiert. Derart lächerliche Geschichten gibt es unzählige.
Erst kürzlich erzählte mir jemand von einem Mann, der sich ganz offiziell darüber beschwerte, dass ihm eine Kollegin einen Klaps aufs Gesäß verabreichte. „Sexuelle Belästigung“. Lächerlich, könnte man meinen. Jeder Mann fühlt sich doch geschmeichelt, wenn ihm eine Frau auf diese Weise nahetritt. Doch auch solche Ausartungen gehören zur Gleichberechtigung.
Die Erfahrung zeigt jedenfalls, dass die gesteuerte Meinungsbildung (schon wieder eine Verschwörungstheorie!) mit immer neuem Unsinn von Westen gen Osten zieht. So wie die Paraden des „glücklichen Stolzes“ („gay“ = glücklich, „pride“ = Stolz,) von Amerika aus ihren Weg nach Deutschland fanden, wie das Gedicht der „zehn kleinen Negerlein“ aus den Büchern verschwand, so wird auch das ohnehin bereits vielfach angewandte „Gender-Mainstreaming“ nicht im Atlantik ertrinken. Die Aufgabe des Menschen ist schließlich, seine Rolle als Humankapital zu erfüllen. So reibungslos wie möglich. Weder Tradition noch angeborene Instinkte dürfen von Bedeutung sein. Und wie Menschen miteinander umzugehen haben, dafür lassen sich ja schließlich Richtlinien erarbeiten, an die wir uns gefälligst zu halten haben.
Und – um zu einem Abschluss zu kommen – während Europa von einer Schuldenlast erdrückt wird, während die Reichen reicher und die Armen ärmer werden, während die Tributpflicht angeblich freier Menschen verschärft wird, während sichere Arbeitsplätze durch Leiharbeit ersetzt werden, darf sich das Volk weiterhin über Nichtigkeiten den Kopf zerbrechen. Und die Frauen der Zukunft werden es wohl nicht einmal vermissen, hofiert zu werden; nicht, wenn sie von jung auf lernen, dass jedes Kompliment nichts anderes ist als die sexuelle Belästigung durch ein testosterongeplagtes Monster.

Original und Kommentare auf

  The Intelligence

1 Kommentar:

  1. Die Gender-Mainstream-Ideologie hat uns doch permanent eingeredet, es gäbe nicht „typisch Weibliches“; was wundert, dass Mann glaubt, Frauen denken und empfinden genauso wie er. Wenn dazu noch durch das Gender „social engineering“ die eigentlichen weiblichen Vorteile und Überlegenheiten ausgeredet oder gar negativ bewertet werden, ist die innere Identität von Frauen zerstört und es bleiben nur noch Äußerlichkeiten, die dann kultmäßig in den Mittelpunkt rücken (Diäten, Schönheitsoperationen, Castingshows usw.) Die Kommunikationswissenschaftlerin Petra Grimm hat bereits 2010 erkannt: Mädchen ziehen zunehmend Selbstbewusstsein daraus, Jungen als Sexobjekte zu dienen. [Siehe Buch „Vergewaltigung der menschlichen Identität. Über die Irrtümer der Gender-Ideologie", 3. Auflage, Verlag Logos Editions, Ansbach, 2013]

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