Die Zukunft Deutschlands ist die Zukunft der Welt

Thomas Carlyle


Donnerstag, 3. November 2011

EU-Staatsschuldendebakel: Die Realität stellt sich ein


Hören Sie das Geräusch? Das ist die kalte Brise der Finanz-Realität, die den Europäern gerade ins Gesicht weht. Die Luft ist raus, und die weltweiten Investoren fangen langsam an zu begreifen, dass in Europa praktisch überhaupt nichts gelöst wurde.
Die von den europäischen Politikern eingebrachten Lösungsvorschläge verschlimmern die Eurokrise in Wirklichkeit nur noch. Ein Schuldenproblem löst man nicht, indem man das Vertrauen in Staatsschulden vernichtet, aber das ist genau das, was sie mit ihrem „freiwilligen 50%igen Haircut“ erreicht haben. Eine Staatsschuldenkrise löst man auch nicht, indem man seinen „Rettungsfonds“ mit Geldern aus Russland, China und Brasilien auffüllt. Noch mehr Schulden verschlimmern die Situation ebenfalls.
Und genausowenig lässt sich eine Staatsschuldenkrise lösen, indem man eine massive Kreditkrise heraufbeschwört. Die Entscheidung, den europäischen Banken gerade einmal bis Juni 2012 Zeit zu geben, um ihre Eigenkapitalbasis massiv zu erhöhen, wird zur Folge haben, dass viele von ihnen gezwungen sein werden, ihre Kreditvergabe massiv einzuschränken.
Eine enorme Kreditverknappung würde in Europa aber zu einem erheblichen Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität führen – und das ist wirklich das Letzte, was die Europäer jetzt noch brauchen.
Sollten die Regelungen der EU-Führer von vergangener Woche das Beste gewesen sein, was sie vorzuweisen haben, dann befinden wir uns allesamt auf dem Weg in die Katastrophe.
Am Montag fingen die Investoren überall auf dem Planeten langsam an zu begreifen, womit wir hier eigentlich zu tun haben. Der Dow Jones brach 276 Punkte ein und die Euphorie von Ende letzter Woche ist mittlerweile praktisch komplett verflogen.
Viel wichtiger ist aber, was sich zurzeit an den europäischen Anleihenmärkten abspielt. Die Investoren reagierten auf die europäische Schuldenregelung extrem negativ und verlangen für europäische Staatsanleihen nun immer höhere Renditen.
Die Rendite für die 10-jährige italienische Staatsanleihe ist zurzeit der vielleicht wichtigste Finanzindikator auf dem Planeten. Sie liegt aktuell bei über 6%. 6% ist die entscheidende psychologische Grenze. Verharrt die Rendite über 6% oder geht sogar noch höher, bedeutet dies für Italien jede Menge Probleme.
Die italienische Regierung kann es sich schlicht nicht leisten, dass die Schulden so teuer werden. Umso stärker die Rendite der 10-jährigen italienischen Staatsanleihen steigt, desto schlimmer werden die finanziellen Auswirkungen für Italien.
Das Ganze war natürlich vorauszusehen. Es war völlig klar, dass der „freiwillige 50%ige Haircut“, der den privaten Haltern von griechischen Staatsanleihen nun aufgezwungen werden soll, genau diese Folgen zeitigen würde – doch die europäischen Politiker scherte das wenig, sie machten es trotzdem.
Italienische Banken mussten am Montag bereits schwere Schläge einstecken. CNN beschrieb das Gemetzel mit den Worten:
„Aktien von UniCredit, Italiens größter Bank, sanken in Mailand am Freitag um mehr als 4% und gingen am Montag noch einmal um weitere 6% nach unten. Intesa, die zweitgrößte italienische Bank, brach am Montag um 7% ein, während Mediobanka, Italiens drittgrößte Finanzinstitution, um rund 4% fiel.“
Mit einem Zusammenbruch Griechenlands kann die Finanzwelt schon irgendwie fertig werden, aber ein Zusammenbruch von Italien würde für Europa im Grunde einem Finanz-Armageddon gleichkommen. Das ist der Grund, warum Italien so wichtig ist.
Ein weiteres EU-Land, das man genau im Auge behalten sollte, ist Portugal. Die Rendite für 2-jährige portugiesische Staatsanleihen liegt aktuell bei über 18%. Vor einem Jahr rentierten diese Papiere noch mit 4%.
Portugal ist in vielerlei Hinsicht in einer noch schlechteren Verfassung als Griechenland. In einem jüngst von Ambrose Evans-Pritchard veröffentlichten Artikel werden die Schuldenprobleme von Portugal im Detail erörtert. In dem Artikel heißt es sehr aufschlussreich: „Portugals öffentliche und private Verschuldung wird bis nächstes Jahr 360% des BSP erreichen, das ist wesentlich höher als in Griechenland.“
Genauso wie Griechenland ist Portugal im Grunde heute bereits pleite. Die aktuelle Finanzsituation in Portugal ist völlig unhaltbar und die portugiesischen Politiker fragen bereits nach, ob sie nicht eine ebenso herzerweichende Vereinbarung wie die Griechen bekommen könnten.
Hieran kann man sehr schön sehen, dass mit der jüngsten Schuldenvereinbarung in Wirklichkeit die Büchse der Pandora geöffnet wurde. Die europäischen Länder, die sich finanziell in der schlimmsten Situation wiederfinden, wollen am Ende allesamt so seine „Vereinbarung“ haben, und es ist genau diese Unsicherheit, die die Investoren in den Wahnsinn treibt.
In der Tat gibt es praktisch so gut wie nichts Positives, was sich über die Schuldenvereinbarung der EU-Führer sagen ließe. Europa hat sich damit vielleicht ein paar Monate Zeit erkauft, aber...
Quelle >>> weiter lesen bei  propagandafront

"Es ist nicht länger akzeptabel, daß eine kleine Minderheit die Politik, Wirtschaft und Kultur grosser Teile der Welt durch ihre komplizierten Netzwerke beherrscht und eine neue Form der Sklaverei betreibt."  
Präsident der Republik Iran
(* 28. Oktober 1956 in Aradan)

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