Die Zukunft Deutschlands ist die Zukunft der Welt

Thomas Carlyle


Dienstag, 11. Oktober 2011

Argumente gegen Panikmache: Gold bleibt erste Wahl

Michael Brückner

Es ist erst ein paar Wochen her, dass die Mainstream-Medien den Goldrausch der privaten Anleger mit immer neuen, zum Teil aberwitzigen Preisprognosen befeuerten. Nun plötzlich berichten dieselben Zeitungen und Anlegermagazine von einer angeblichen Goldblase, die zu platzen drohe. Anleger sollten sich davon nicht beeindrucken lassen. Denn es gibt nach wie vor gute Gründe für ein Gold-Investment.

Der in der Tat überraschend heftige Einbruch des Goldpreises Ende September war für viele Redaktionen offenbar Anlass genug, den Hebel von »Euphorie« auf »Panik« umzulegen. Man ist
geneigt, einen alten Kalauer etwas umzuwandeln. Frage an Radio Eriwan: Kann man ein kleines Vermögen aufbauen, wenn man regelmäßig Anlegermagazine liest? Antwort: Im Prinzip ja, wenn man zuvor ein großes Vermögen hatte.
Dennoch haben die Turbulenzen auf dem Goldmarkt manchen Anleger verunsichert. War es richtig, in das gelbe Edelmetall umzuschichten? Sollte man sich jetzt von seinen Münzen und Barren trennen, um zumindest einen Teil seiner Gewinne zu sichern? Oder bietet sich nach dieser kräftigen Korrektur eine willkommene Gelegenheit, um günstig nachzukaufen? Die meisten Anleger scheinen nach wie vor an Gold zu glauben, jedenfalls meldeten die Edelmetallhändler in den vergangenen Tagen einen regelrechten Nachfrageboom. Und tatsächlich spricht viel für eine weiterhin goldene Zukunft dieses Edelmetalls. Folgende Argumente sollte der Anleger bedenken:
  1. Die eskalierende Euro-Schuldenkrise und die anhaltenden Spekulationen über eine Währungsunion haben den Goldpreis stark nach oben katapultiert. Was wir in den vergangenen Tagen erlebten, ist letztlich eine Korrektur vorhergehender Übertreibungen. Der Goldpreis bewegt sich nach wie vor stabil in einem im Jahr 2008 ausgebildeten Aufwärtskanal.
  2. Der Salami-Crash an den Aktienbörsen setzte viele Investoren unter Zugzwang. Sie brauchten Cash und mussten sich wohl oder übel von ihrem Gold trennen, weil sie nur in diesen Positionen noch Gewinne ausweisen konnten. Eine ähnliche Entwicklung war auch in den Wochen nach der Pleite von Lehman Brothers festzustellen. Kräftige Abstürze an den Börsen reißen in der Regel auch den Goldpreis mit nach unten. Allerdings erholt er sich in der Regel bereits kurzfristig wieder.
  3. Es ist fast schon eine Binsenweisheit: Inflationsängste treiben den Goldpreis. Nach Angaben des Statistischen Amtes der EU stieg die Inflationsrate im September auf Jahresbasis um drei Prozent. Sie liegt damit um einen Prozentpunkt über dem Stabilitätsziel der Europäischen Zentralbank. Somit sprechen die Fakten ganz eindeutig für eine Zunahme des Inflationspotenzials.
  4. Eine Lösung der Euro-Schuldenkrise könnte den Goldpreis abstürzen lassen, heißt es. Doch danach sieht es nicht aus. In den Regierungszentralen, den Notenbanken und beim Internationalen Währungsfonds machen Beobachter vielmehr  »wachsende Verzweiflung« und Anzeichen von Panik aus. Die Krise wird in den kommenden Tagen und Wochen weiter eskalieren.
  5. Um den unter erheblichem Abwertungsdruck stehenden US-Dollar zu stützen, kauft China weiterhin in großem Umfang die amerikanische Währung. Und das aus nachvollziehbaren, eigennützigen Gründen: Immerhin ist die chinesische Landeswährung Yuan an den Greenback gekoppelt. Die Dollar-Bestände investiert Peking wiederum in wertstabiles Gold. Daher steigen seit Jahren die chinesischen Goldreserven.
  6. Interessant ist ferner, genauer hinzuschauen, wer derzeit vor Goldblasen warnt: Es sind vor allem Aktienhändler, die Anleger wieder an die Börse locken wollen. Und es sind so genannte Verbraucherschützer, die vom Staat und von Banken gesponsert werden. Den Staaten war privater Goldbesitz in größerem Umfang aber schon immer suspekt.
  7. Apropos Experten: Banken-Professor Wolfgang Gerke antwortete im April 2009 in einem Wiso-Interview auf die Frage, ob man Gold kaufen sollte, mit einem entsetzten: »Um Gottes Willen«. Damals kostete die Feinunze Gold etwa 670 Euro. Wer dem Herrn Professor folgte, verzichtete bis heute trotz der jüngsten Korrektur auf eine rund 80-prozentige Rendite.
  8. »Gold bringt keine Zinsen«, heißt das Standardargument der Verbraucherschützer. Richtig. Aber was bringt eine verzinste Spareinlage? Für Tagesgeld zahlen Banken mit ausreichender Einlagensicherung derzeit kaum mehr als 2,5 Prozent. Diese Erträge müssen – sieht man vom minimalen Sparerfreibetrag einmal ab – mit dem Fiskus geteilt werden. Bei einer Inflation von drei Prozent bedeutet eine solche Anlageform mithin Substanzverlust.

Fazit: Viel spricht dafür, die gegenwärtige Preiskorrektur bei Gold und Silber in aller Ruhe vorüberziehen zu lassen und gegebenenfalls günstig Barren und Münzen nachzukaufen.

Eine auf dem Profit beruhende Industrie ist bestrebt, Menschen für den Kaugummi und nicht Kaugummi für die Menschen hervorzubringen.
Antoine de Saint-Exupéry
(29.06.1900 - 31.07.1944)

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