Die Zukunft Deutschlands ist die Zukunft der Welt

Thomas Carlyle


Sonntag, 28. August 2011

„Einen Goldstandard wird es im Westen niemals geben"

von Robert Landgraf und Ingo Narat
Sollten Anleger noch in Gold investieren? Und wenn ja, wie gehen sie dabei am besten vor? Darüber sprach das Handelsblatt mit drei Anlageexperten von Barclays Capital, Delbrück Bethmann Maffei und Van Eck. 
Gold: "Immer noch eine Rarität" Quelle: dpa
Handelsblatt: Was macht Gold so attraktiv, Herr Polleit?
Thorsten Polleit: Die westlichen Länder stecken in der Wirtschafts- und Finanzkrise, einer Verschuldungskrise. Investoren machen sich Sorgen über Geldwertverluste und Kreditausfälle und kaufen Gold. Sie entdecken Gold wieder als ultimatives Zahlungsmittel, als Geld. Es erfüllt die Geldeigenschaften bestens: Es ist knapp, homogen, transportabel, dauerhaft. Finanzfachleute begreifen Gold aber immer noch als Vermögensform und bieten es auch so an. Trotz der langen Hausse von zehn Jahren haben nur wenige Anleger Gold. Es ist immer noch eine Rarität, auch bei Großanlegern.
Gibt es neben den Schuldenkrisen weitere Gründe, die den Goldpreis treiben könnten, Herr Eberle?
Uwe Eberle: Eine gewisse Portion Spekulation ist momentan auch im Markt. Doch das ist es nicht allein: Es fehlt derzeit an Anlagealternativen. Viele Aktien sind angesichts der abflauenden Konjunktur mit Vorsicht zu betrachten. Aus Renditegesichtspunkten ist hier wenig Staat zu machen. Und bei Anleihen gibt es nur magere Renditen. Nach Abzug der Inflationsrate bleibt in vielen Ländern ein negativer Ertrag - also ein realer Verlust. In diesen Phasen gab es historisch gesehen immer sehr starke Zuflüsse in Gold.
Rechtfertigen diese Gründe das Preisniveau bei Gold, das trotz des jüngsten Rückschlags immer noch hoch ist?
Michael Harms ist Leiter der Investmentstrategie und des Researchs bei der Privatbank Delbrück Bethmann Maffei. Quelle: Bernd Roselieb für Handelsblatt
Michael Harms: Es sind momentan mehr Anleger als üblich im Markt. Das sind aber nicht die institutionellen Investoren sondern eher die Privatanleger, die Gold als Anlageklasse entdeckt haben. Grund sind die vielen Unwägbarkeiten, ob nun die Schuldenkrise oder geopolitische Krisen, die zu diesem völlig überhitzten Preis geführt haben. Werthaltig unterlegt ist der aktuelle Goldkurs nur mit dem P-Wort: P wie Panik. Gold kann man nicht essen, es bietet keine Erträge und man kann im Extremfall keine Lebensmittel damit kaufen. Viele Anleger unterliegen jedoch der irrigen Annahme, Gold biete ihnen Sicherheit.
Wie stark sind Profianleger derzeit in Gold investiert, Herr Eberle?
Eberle: Gerade die Profis halten nur einen kleinen Anteil in ihren Portfolios in Gold. Nach meinen Gesprächen mit Managern von Pensionskassen und Versicherungen rechne ich mit einem Anteil von unter einem Prozent. Wir sehen aber in den letzten Monaten deutlich stärkeres Interesse. Bei kleineren Privatbanken gibt es teilweise Anlageempfehlungen für einen Anteil von sieben bis zehn Prozent, die in den Portfolios umgesetzt wurden. Es gibt also noch viel Luft nach oben, bis konservative Anleger eine Quote von zehn bis zwanzig Prozent in Gold und Rohstoffen halten, was aus meiner Sicht sinnvoll wäre.
Welche Rolle spielen die Terminmärkte bei den Kurssprüngen und -abstürzen?
Harms: Dass der Chart des Goldpreises über Jahre hinweg sehr flach verlaufen ist, hatte gute Gründe: Aktien und Anleihen hatten über Jahrzehnte hinweg einen großen Renditevorsprung. Hier spielte der Wiederanlageeffekt eine große Rolle. Bei Aktien gibt es Dividenden, bei Anleihen den Kupon, der bei Wiederanlage die Rendite erhöht. Gold bringt indes keine Erträge. Jetzt haben wir allerdings eine neue Situation im Vergleich zu damals: Die Finanzindustrie war sehr findig, so dass heute ein Vielfaches im Vergleich zu den physischen Beständen in Goldderivate investiert ist.
Quelle
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